Tödliche Wut!
Wenn das Unterdrücken deiner
Macht dich umbringt 

Mehr als alles andere fürchten wir uns vor unserer Kraft und Wut. Und doch sehnen wir uns nach nichts mehr, als dem Feuer in unserem Arsch - nach echter Lebendigkeit, Wildheit und Freiheit. Wir wollen uns spüren, und zwar ganz!

Die Kraft des Kriegers hat auf viele von uns eine faszinierend-anziehende Wirkung und doch ist da die Angst davor… Angst vor der Kraft, die nicht kontrolliert werden könnte, Angst vor dem Feuer, an dem man sich verbrennen könnte, Angst vor der Klarheit, die schneidend sein könnte, aber auch Angst vor der Liebe und Wahrheit, die all unsere Masken und Lügen niederreißen könnte.

Vielleicht haben wir aber auch Angst vor der Macht und grenzenlosen Unabhängigkeit, die der Krieger in unser Leben bringen könnte.

Niemand ist mehr Sklave,

als der sich für frei hält,

ohne es zu sein.

– Johann Wolfgang von Goethe.

Vor lauter Angst um das eigene Selbstbild entgeht jedoch den meisten, welche geheimen Schätze und Geschenke der Krieger in sich trägt und vor allem welche berührende, nährende und heilsame Kraft der Krieger für einen bereit hält.

Politik, Schulsystem, Erziehung und Religion haben über die Zeit ihre Spuren im Kollektiv, wie auch im Einzelnen wie dir und mir hinterlassen und prägen womöglich heute noch dein Bewusstsein und Verhalten zu den Themen Wut und Sexualität, welche ganz nah beieinander liegen.

Ein effektiver Weg jemanden zu entmächtigen, ist ihn von seiner Kraft und seinem Feuer abzuschneiden, indem die natürliche „gottgegebene“ Wut und Macht des Einzelnen, sowie die Sexualität (aus der wir geboren sind) mit Angst, Scham und Schuld besetzt werden … indem sie als falsch, gefährlich, destruktiv und teuflisch dargestellt werden.

Wer seine Macht verleugnet, unterdrückt sie „freiwillig“ und richtet sie gegen sich selbst. So jemand folgt gerne im Gleichschritt der Masse auf dem Weg zum Absprung an der Schlucht - schließlich machen es ja alle so. Und aus der Reihe zu tanzen verspricht einem kaum die Sicherheit, die einem die Herde gibt … Oder?!

Hier sind einige weit verbreitete Lügen und Illusionen, die dich von der Wut und authentischen Macht und Freiheit in dir fernhalten:

1. Wut ist gefährlich und destruktiv

Viel gefährlicher als deiner Wut angemessen Ausdruck und Raum zu geben, ist es sie zu unterdrücken, denn damit tötest du deine Lebendigkeit.

Wir haben meist nicht zu wenig Lebensenergie, sondern richten einen erheblichen Teil davon gegen uns. Antriebslosigkeit und Depression stehen in starkem Zusammenhang mit unterdrückter Wut.

Wenn du ständig damit beschäftigt bist, deine Gefühle und „natürlichen“ Impulse zu unterdrücken, zu zensieren, sie zu steuern und zu kontrollieren und das zu tun, was von anderen Menschen und der Gesellschaft gewünscht und erlaubt ist, verbrennst du unglaublich viel Lebenskraft. Du stehst voll auf der Bremse und versuchst gleichzeitig im Leben vergeblichst vorwärtszukommen … Ein langsamer Tod auf raten, denn das hält auf Dauer keiner durch.

Wut ist eine Kraft, ein Feuer, das dich ermächtigen kann. Wut hilft dir klare Grenzen zu ziehen, zu dir selbst zu stehen und Dinge, die du Liebst anzugehen und durchzuziehen. Sie hilft dir, Nein zu sagen und ermöglicht dir damit authentischere Beziehungen zu führen. Denn aus einem ehrlichen Nein heraus, kann auch dein Ja noch viel wahrhaftiger und mehr aus dem Herzen kommen, als nur so mit einem müden Lächeln dahin gesagt.

Zu lernen, Nein zu sagen war für mich ein essenzieller Schritt in Richtung Selbstliebe und Selbstvertrauen.

Das Wort Aggression kommt aus dem Latein und heißt lediglich so viel wie „sich auf etwas / jemanden zubewegen“.

In ihrer destruktiven Form kannst du also deine Wut- und Aggressionskraft gegen andere richten, um etwas zu bekommen oder zu vermeiden. Es ist eine Art Kampf um „knappe Ressourcen“ wie Sicherheit, Liebe, Anerkennung, Macht oder was auch es für dich sein mag.

In einer bewussteren Form kann sie dir für das wesentliche - für deine Liebe und Wahrheit - dienlich sein und dich dabei ermächtigen, dich auf eine neue Vision von dir „zuzubewegen“ und diese zu „verkörpern“, anstatt nur davon zu träumen. Sie wirkt nicht gegen andere, sondern für dich und das schließt das Wohl aller mit ein, denn:

Wahre Macht ermächtigt! Sie ermächtigt dich UND andere.

2. Wenn ich nein sage, bin ich einsam. Ich werde verurteilt und verlassen

Wenn du Nein sagst, kann es sein, dass es manchen Menschen nicht gefällt. Und ja, es kann passieren, dass sich der ein oder andere von dir abwendet.

Ein Nein nach außen ist immer ein ja zu dir selbst!

Indem du ja sagst, aber nein meinst, handelst du gegen dich. An dem Punkt ist es spannend zu erkennen, dass du bereits einsam bist und dich längst selbst verlassen hast. Du gehst hier faule Kompromisse ein und tust Dinge die du gar nicht tun willst. Um deine Selbstverleugnung nicht zu spüren, lenkst du dich ab und betäubst dich.

„Ich tue was du sagst und du verbringst Zeit mit mir, bist freundlich und gibst mir Aufmerksamkeit und Liebe.“

Bei diesen faulen Deal, benützt du den anderen, um das zu bekommen, was du willst und gibst dem anderen das, was er stillschweigend von dir verlangt oder du denkst, dass er es will - ein Tauschgeschäft zwischen zwei Egos.

Für eine gewisse Zeit lang alleine zu sein und nicht nur durch die Einsamkeit durchzugehen, sondern sie willkommen zu heißen, kann sehr klärend sein. Es kann uns helfen, uns zu sortieren und zu erkennen, was wir wirklich wollen und wer wir wirklich sind wenn wir aufhören, ständig Spielchen zu spielen, Masken zu tragen und so zu tun, als ob wir der liebe Junge / das liebe Mädchen sind.

Wenn wir zu unseren Wünschen und Bedürfnissen stehen, ohne faule Kompromisse zu machen, können uns auch die Menschen finden, die genau das suchen. Wir müssen nicht mehr darum kämpfen, oder es uns hart verdienen, erarbeiten oder gar mit anderen verhandeln und sie manipulieren.

Das wirkt unglaublich erleichternd und befreiend und stärkt unser Selbstwertgefühl, weil wir anfangen, unseren Bedürfnisse zu respektieren.

3. Wenn ich meine Wut zulasse, werde ich hart und zerstörerisch und tue anderen weh

Wenn wir damit anfangen, der Wut die wir viele Jahre lang unterdrückt haben, Raum zu geben und sie zulassen, dann kann es sein, dass wir auf einem Riesen Vulkan sitzen und das Gefühl haben alles vernichten zu wollen.

Es fühlt sich vielleicht destruktiv, dunkel und unkontrollierbar an - wie ein Riesen Monster das in uns.

Wenn wir jahrelang ohne jegliches Gefühl von klaren Grenzen aufgewachsen sind und keinen geschützten Raum für unsere Entwicklung und für unsere Gefühle hatten, kann die Wut und der Schmerz umso stärker ans Tageslicht kommen und sich bemerkbar machen. Nach dem Motto:

„Bis hierhin und nicht weiter! Den Scheiß tue ich mir nicht mehr an! Ich spiele nicht mehr mit!“

Als Kinder mussten wir all das hinnehmen, was wir erlebt haben und hatten kaum eine Wahl. Die Wut ist somit eine Art rückwirkendes Nein. Ein Nein zu all den Grenzüberschreitungen, all dem was wir gar nicht wollten und all dem, was weh hat.

Uns unsere Wut und unseren Schmerz zuzugestehen, anstatt ihn mit Verständnis für den anderen zu deckeln, kann sehr heilsam und befreiend sein, denn wenn wir den anderen für seine Taten verstehen, macht es unseren Schmerz nicht ungeschehen.

Meiner Erfahrung nach kann sich eine Akzeptanz und ein Ja zu dem, was geschehen ist, ja Mitgefühl für uns und für andere viel eher entwickeln, wenn wir uns erlauben, uns abzugrenzen und unsere Gefühle eingestehen und sie zulassen.

In dem wir uns und unsere Gefühle annehmen, lernen wir auch, den anderen anzunehmen.

Wir denken, dass wir hart werden, wenn wir die Wut zulassen, aber es macht uns viel eher hart und stumpft, wenn wir den alten Schmerz in uns und unsere Panzer überall hin mitschleppen und sie leugnen.

Das macht steif und zerstörerisch, denn wir handeln und sehen die Welt stets durch die unbewusste Brille unserer Wunden und Schmerzen und tragen den inneren Kampf überall hin mit uns. Wir gehen als Verwundete durch die Welt und sehen da draußen überall Täter und Bösewichte, die in uns immer wieder einen Schmerz aktivieren, der eigentlich vor Urzeiten entstanden ist.

Wir tun damit unbewusst immer wieder uns selbst und anderen weh.

Dich diesen inneren Kampf bewusst zu stellen und den Gefühlen in einem sicheren Rahmen, Raum und Ausdruck zu geben, bringt viele Geschenke und ganz viel Magie und Lebendigkeit mit sich. Es macht dich berührbar, weich und authentisch. Sie gibt dir einen klaren und geschützten Raum in dir - DEINEN Raum - in dem du so sein kannst, wie du bist, ganz sicher und frei.

 

Meist werden wir hart und steif, wenn wir uns bedroht fühlen und in den Kampf gehen. Doch wenn die Kraft und das Vertrauen in uns bis in jede Zelle unseres Körpers spürbar werden, können wir uns ganz friedvoll in uns selbst und in das Leben und auch in die Unsicherheit hinein entspannen.

Die Wut zuzulassen macht uns paradoxerweise friedlicher, denn wir lernen, besser zu unterscheiden, was von uns kommt und was dem anderen gehört und können ganz weich und mit offenem Herzen Nein sagen und uns Abgrenzen, ohne den anderen zu verletzen.

Wir werden mutiger, erkennen mehr und mehr, den Ursprung der Dinge und lassen uns somit weniger in Dramen hineinziehen.

4. Die Welt ist genug von Krieg und Aggression, da muss ich nicht mitmachen. Ich bin lieber friedlich!

Es gibt einen „Schein-Frieden“, der nur solange lebt, bis jemand um die Ecke kommt, und dir deine abgespaltenen und unbewussten Anteile spiegelt, die mit Kampf und Gewalt resonieren.

Wenn du den Krieg leugnest, heißt es nicht, dass es nicht da ist.

Es kann die Ohnmacht sein, die du ganz tief in dir spürst, wenn du mit dem Thema konfrontiert wirst. Es kann aber auch die Ablehnung deiner eigenen Macht sein, die der andere im Gegensatz zu dir lebt (egal ob konstruktiv oder destruktiv).

Um diesen „Frieden“ aufrechtzuerhalten, musst du in ständiger Kontrolle sein, stets die Lage „abchecken“ und deine Umgebung, deinen Mitmenschen und Situationen so zurechtrücken, dass dieser Schein-Frieden gewahrt wird. Oder besser gesagt, du bist damit beschäftigt, die Umstände zu erschaffen, die dich von deinem inneren Krieg ablenken.

Damit machst du dich von deinen Mitmenschen und Umständen komplett abhängig und versklavst dich in deinem selbsterschaffenen Gefängnis.

Von diesem oberflächlichen „Frieden“ bleibt keine Spur mehr übrig, wenn deine Knöpfe von einem äußeren „Täter oder Bösewicht“ gedrückt werden. Dann kann plötzlich ganz viel Wut auftauchen. 

„Dieser Arsch, wie konnte er nur …“ Ja genau! Wie konnte er es wagen, dir zu zeigen, was eh schon in dir da ist? Wie konnte er deinen Schlaf stören, wo es doch gerade so gemütlich war?

Es gibt aber auch einen wahren Frieden das sich einstellt, wenn der Kampf in dir, wenn die Gewalt und der Zwiespalt transzendiert und integriert sind. Es ist eine Freiheit, die sich offenbart, wenn der Kampf in dir, vom Licht deines Bewusstseins berührt und durchdrungen wurde. Wenn die Angst und der Schmerz in dir vollständig zugelassen und umarmt wurden, scheint ein Frieden aus dir heraus, das von einem Umstand im außen vollkommen unabhängig ist. Das ist wahre Freiheit.

Es ist schön uns für ehrenwerte Absichten einsetzen, wie zum Beispiel für den Frieden auf der Welt, für den Klimawandel, für gleiche Rechte zwischen Mann und Frau oder was auch immer. Doch verändert sich (für uns) in der Tiefe kaum etwas, wenn dabei unser eigener Schmerz und unsere eigene Ohnmacht nicht berührt und transformiert werden. Dann verlagert sich unsere Ohnmacht lediglich woanders hin und wir stehen vor denselben Monstern, die uns bedrohen. Wir antworten mit innerer Härt auf äußere Härte.

Gewalt erschafft noch mehr Gewalt.

Veränderung beginnt immer im innen und bewegt sich dann nach außen, nie umgekehrt.

Dann können wir auch der Gewalt im außen mit Frieden und Mitgefühl begegnen.

Anstatt uns in einen weiteren Schlagabtausch zu verlieren, kann echte Begegnung und damit Veränderung stattfinden.

5. Wenn ich meine Wut ausdrücke, werde ich unausstehlich

Das Gegenteil ist der Fall! Wenn wir unsere Wut verstecken, dann findet sie einen anderen (unbewussten) Weg, sich auszudrücken. Sie zeigt sich nur nicht „offen-sichtlich“ in Form von Wut. Die innere Spannung zeigt sich vielleicht durch subtile giftige Handlungen und Kommentare, durch Manipulation anderer, oder durch das inszenieren von Dramen, das uns als Ventil dient, um „Druck abzulassen“.

Jemand der seine Wut ständig unterdrückt und versteckt, ist nicht authentisch.

 

Es muss damit ständig jemand im Außen als schuldiger für die eigene Ohnmacht und das Opfer-Dasein herhalten. Über das beschuldigen des anderen wird zumindest ein bisschen Macht ausgeübt. Das kann für einen selbst und für die Mitmenschen sehr anstrengend werden.

Meiner Meinung nach ist es auf Dauer viel leichter und entspannter, sich den wirklichen Ursachen zu widmen, als im Außen nach Verantwortlichen zu suchen.

Die äußeren Täter und Verantwortlichen können damit schließlich aus ihrer Rolle entlassen werden.

Die Packungsbeilage zur Wut

Wenn ich davon spreche, deiner Wut Raum zugeben und sie zuzulassen, heißt es nicht, diese nach außen gegen andere zu richten und es dem anderen so richtig zu „geben. Das wäre lediglich eine Übersprungshandlung …

Wenn dich die Wut packt, geh mit ihr in Kontakt … atme, atme, atme … tief und voll … lenk deine Aufmerksamkeit weg von der Geschichte im außen und widme dich vollständig der gegenwärtigen Energie in deinem Körper, denn das ist ALLES, was ist … die Gedanken und Geschichten sind lediglich Schatten, die dich von der unmittelbarer Wahrheit, diesem jetzigen Moment fernhalten wollen.

Gib dich der Energie hin, ohne dich darin zu verlieren. Der Atem kann dabei ein wundervoller Anker sein, um dich in der inneren Präsenz zu halten.

Interessanterweise, verwandelt sich die Energie der Wut sehr oft in Freude, Kraft und Leichtigkeit, wenn sie vollständig zugelassen wird. Manchmal kann das ratzfatz gehen und richtig Spaß machen! 😉

Und ja, ich weiß, es ist nicht immer leicht oder gemütlich da durch zu gehen. Wenn es dir gelingt, dann herzlichen Glückwunsch! Manchmal wenn die Identifikation groß ist und der Widerstand mit dem Gefühlen stark ist, kann das etwas Zeit und Übung brauchen.

In dem Fall kann es sehr hilfreich und heilsam sein, dich von jemandem begleiten zu lassen, der mit diesen Prozessen vertraut ist. Jemand, der dir neue Blickwinkel darauf zeigen und dich da durch führen kann.

In meiner Coaching-Praxis in Freiburg biete ich Einzel-Begleitung sowie Seminare zum Thema Schattenarbeit, Wut und die Arbeit mit dem Krieger / der Kriegerin.

 

Die Arbeit mit dem Krieger liegt mir sehr am Herzen und ich freue mich über jeden, den ich dabei Begleiten kann, sich mit der Liebe und Kraft des Kriegers / der Amazonen in sich zu verbinden um damit Kraft, Frieden und Klarheit im Leben haben, denn:

Die Arbeit mit dem Krieger ist die Arbeit mit dem Frieden!

Wo auch immer du stehst, ich wünsche dir bei deinem Prozess alles Beste und bis ganz bald!

Dara

 

PS: Hier ein Song von Thomas D für den Krieger / für die Kriegerin in dir. Ich liebe diesen Track! 🙂

Bleib auf dem Laufenden!

Jedes Abenteuer beginnt mit einem ersten Schritt!
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